
Wie sicher fühlst du dich?
Vor einiger Zeit erhielt ich 2 Todesanzeigen. Beide waren unerwartet. Die erste im Januar, von einem lieben Freund und geschätzten Kollegen, er kam bei einem Motorradunfall in den USA ums Leben. In diesem Jahr wollte ich eigentlich noch eine Runde mit ihm drehen. Das geht jetzt nicht mehr. Das hat mich bewegt. Und meine Gedanken und die von vielen anderen Kollegen gingen in Richtung seiner Hinterbliebenen und Familie: 3 Töchter, Freundin, Eltern uvm. Wir waren alle nicht darauf vorbereitet. Mitte 40 gehen zu müssen ist tragisch und wirft Fragen auf.
Ein zweiter, sehr geschätzter Kollege war bereits in einem stolzen Alter und hat bis zu letzt gearbeitet. Viele Bücher, Ansätze, erfolgreiche Unternehmen, Seminare und Vorträge haben tausende Menschen inspiriert. Bei ihm war es Nierenversagen. Auch hier gilt mein/unser Mitgefühl der Familie und allen Hinterbliebenen. Warum schreibe ich dir das heute?
Weil jeder Tag, den wir (er)leben dürfen, ein Privileg ist. Wir wissen nicht, wann wir gehen „dürfen“ oder müssen, diesen Tag kennt nur der Schöpfer. Umso mehr schreien uns die Toten lautlos zu: Nutze die Zeit! Das lateinische Carpe Diem heißt übersetzt „Pflücke den Tag“ - so wie ein gutes, reifes Stück Obst, das wir zwar jetzt noch nicht sehen können, das uns aber ab Sommer hoffentlich wieder erwartet. Die Redewendung stammt aus einem Gedicht des römischen Dichters Horaz (Oden, 1,11) und wird als Aufforderung interpretiert, den gegenwärtigen Moment bewusst zu leben, anstatt sich zu sehr um die Zukunft zu sorgen. Es ist eine Einladung, Chancen zu ergreifen und das Leben in vollen Zügen zu genießen. Das bedeutet nicht zwangslosen Hedonismus (ein reines Streben nach Vergnügen), sondern eine kluge und bewusste Lebensführung.
Ich weiß, das Thema "Tod" verdrängen wir gerne und reden nicht darüber oder denken nicht gerne darüber nach, aber es ist genauso natürlich wie das Geboren werden, essen, schlafen oder trinken. Lasst uns deshalb solche Anlässe nutzen, um während und nach der Trauer auch gestärkt in den Tag, in die neue Woche zu starten, wir sind ja noch da. Das heißt nicht, das immer alles eitel Wonne und rosarot ist, ganz und gar nicht. Dafür gibt es aber die Gemeinschaft. Freunde, Familie, für einige auch die göttliche Dimension. Du bist nicht alleine. Zusammen geht der nächste Schritt auch wieder etwas leichter, speziell in Phasen, die schwierig sind. Danke, dass ich dich heute daran erinnern durfte - mich selbst auch - und du bis hierher gelesen hast. Ich wünsche dir einen guten Start in diesen Tag, in diese Woche, von Herzen!









